Jana Heijenga setzt sich eindringlich für den Erhalt der Weiterbildungspflicht und höchste Qualitätsstandards in der Branche ein. // Foto: Robert C. Spies
Kommentar von Jana Heijenga, Leiterin Personal und Organisationsentwicklung bei der Robert C. Spies Unternehmensgruppe
Die Bundesregierung hat beschlossen, die Fortbildungspflicht für Immobilien-, Investmentberater und -verwalter in allen Assetklassen zu streichen. Das ist ein fatales Signal. Bildung ist keine Last, sondern die Grundlage für Qualität, Verbraucherschutz und Professionalität in einer Branche, die mit hohen Werten arbeitet. Immobiliengeschäfte betreffen Existenzen, Altersvorsorge und den Lebensmittelpunkt von Menschen. Hier darf kein Raum für Wissenslücken sein.
Seit ihrer Einführung 2018 hat die Weiterbildungspflicht die Branche professionalisiert. Die Zahl und die Qualität der Angebote sind deutlich gestiegen, Fachwissen wurde breiter verfügbar, und selbst kleine Büros haben über digitale Lernformate Zugang zu relevanten Inhalten. Die Pflichtstunden stellen sicher, dass Mitarbeiter kontinuierlich auf dem neuesten Stand bleiben – sei es bei neuen gesetzlichen Vorgaben, Energieeffizienzstandards, Klimaschutzmaßnahmen oder Marktentwicklungen. Eine Regelung, die offenkundig funktioniert, als bürokratische Belastung abzutun, wirkt daher realitätsfern.
Das Argument der Entlastung zieht nicht. Die Nachweise werden ohnehin nur stichprobenartig kontrolliert, der Verwaltungsaufwand ist minimal. Wer die Pflicht streicht, beseitigt also kein Bürokratiemonster, sondern riskiert, dass Qualitätsstandards sinken. Gerade in Zeiten dynamischer Gesetzgebung, komplexer Eigentümerstrukturen und steigender regulatorischer Anforderungen sind regelmäßige Fortbildungen unverzichtbar. Immobilienverwalter müssen über Energiethemen, Mietrecht, Eigentümergemeinschaften und Werterhalt stets informiert sein.
Die Pflichtstunden waren 2018 ein Kompromiss, nachdem eine echte Sachkundeprüfung politisch nicht durchsetzbar war. Seitdem tragen sie maßgeblich dazu bei, dass Standards eingehalten werden. Eine Abschaffung bedeutet: weniger Qualifikation, weniger Kontrolle, weniger Verantwortung. Wer Vertrauen in die Branche und Schutz für Verbraucher will, darf Weiterbildung nicht opfern. Sie ist kein Kostenfaktor, sondern eine Investition in Kompetenz und Glaubwürdigkeit. Die Risiken sind zu hoch, die Folgen unmittelbar spürbar: Uninformierte Immobilienberater und -verwalter gefährden Verbraucher, Eigentümer und letztlich den Ruf der Branche. Deutschland braucht weniger Bürokratie – aber ganz sicher nicht weniger Bildung. Bildung ist der Schutzschirm für Qualität und Vertrauen, und genau diesen dürfen wir nicht abreißen.
Der Kommentar ist erschienen in der Immobilien Zeitung am 13. November 2025.