Ein Interview mit Jens Lütjen und Andreas Fuchs zur Projekt- und Quartiersentwicklung // Foto: Robert C. Spies
In einer Welt, in der sich Dinge rasant ändern, hat Beständiges schon immer einen besonderen Stellenwert gehabt. Und doch braucht es für eine zukunftsfähige Gesellschaft stets auch die Veränderung bzw. Weiterentwicklung, die sich im immobilienwirtschaftlichen Kontext durch nachhaltige sowie richtungsweisende Projekt- und Quartiersentwicklungen ausdrückt. In eben diesem Bereich ist die Robert C. Spies Unternehmensgruppe inzwischen seit zehn Jahren beratend tätig. Ein Jubiläum, über dessen Implikationen es zu sprechen gilt, fällt es doch in eine Zeit einer äußerst dynamischen Marktlage.
Herr Fuchs, Robert C. Spies feiert in diesem Jahr das zehnjährige Bestehen des Geschäftsbereichs „Projekte & Entwicklung“ – auf welche Meilensteine blicken Sie zurück?
A. Fuchs: Der größte Meilenstein für mich als Verantwortlicher des Bereichs ist natürlich dessen Etablierung vor genau zehn Jahren, mit der wir unsere Kompetenz als „Beratungshaus“ hinsichtlich eines holistischen Ansatzes ausgebaut und gefestigt haben. Heute schauen wir auf eine Gesamtfläche von über 1 Mio. m² zurück, die wir so bereits erfolgreich beraten und in die Realisation bringen konnten. Unser erstes größeres Projekt in diesem Bereich war das Löwitz Quartier neben dem Leipziger Hauptbahnhof, bei dem wir mit zwei renommierten Hamburger Projektpartnern zusammenarbeiten. Doch auch bei anderen Projekten wie der Bremer Überseeinsel, die aus dem ehemaligen Kellogg-Gelände hervorgeht und zuletzt mit der Eröffnung des „John & Will Silo-Hotels by Guldsmeden“ die Aufmerksamkeit auf sich zog, oder dem Hachez-Quartier in der Bremer Neustadt, dessen Bebauungsplan inzwischen beschlossen ist und bei dem wir ebenfalls unterstützend zur Seite gestanden haben, lebte die Beratung vom Aufbau einer Schnittstelle zwischen klassischer Vertriebsarbeit und unserem Netzwerk aus Architekten, Stadtplanern, Investoren und Projektentwicklern.
Wieso braucht es eine solche Schnittstelle? Wie hat sich die Projekt- und Quartiersentwicklung im Laufe dieser Zeit verändert? Und wie sieht die Zukunft aus?
J. Lütjen: Die Projekt- und Quartiersentwicklung ist zum einen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Wandlungsprozesse insgesamt anspruchsvoller geworden. Menschen wollen in heterogenen Umfeldern leben, die ein großes Angebot bei kurzen Wegen und sozialer Verträglichkeit bieten. Nachhaltigkeit, Mobilität, Architekturqualität, Innovation – die Trendthemen der Vergangenheit müssen heute gesetzter Standard sein. Zudem forciert die generelle Neuausrichtung des Marktes eine stärkere Vertriebsorientierung bereits im Planungsstadium, um die Projekte in die Wirtschaftlichkeit zu bringen. Diese zwei Aspekte in ihrer jeweiligen Komplexität nicht nur unter einen Hut zu bekommen, sondern harmonisch zu verbinden, ist für uns die Kunst ganzheitlicher Projekt- und Quartiersberatung.
Welchen Stellenwert nehmen klassische Büro- und Office-Immobilien dabei heute noch ein. Braucht es sie vor dem Hintergrund des Homeoffices überhaupt noch? Wie entwickelt sich der Markt gegenwärtig und wie begegnen Sie der Dynamik als Beratungshaus?
A. Fuchs: Büro- und Office-Immobilien müssen durchaus neu gedacht werden, von einem Verlust ihres Stellenwertes kann aber nicht die Rede sein. Diesbezüglich gewinnen vor allem Bestands- und Revitalisierungsobjekte durch die leicht rückläufigen Neubauentwicklungen noch mehr an Bedeutung. In Verbindung mit den tendenziell weiter moderat steigenden Mieten stellt diese Entwicklung daher eine Chance für Investoren und Bestandshalter dar, der wir mit synergetischen Kräften aus dem Geschäftsbereich „Projekte & Entwicklung“ sowie unseren standortverbundenen, spezialisierten Teams für Büroimmobilien begegnen.
J. Lütjen: Das Büro wird als Plattform nach wie vor identifikationsstiftend und kommunikationsfördernd sein. Starke Impulse in Form spannender Office-Entwicklungen und -angebote dürfen im urbanen Raum jedoch auch in Zukunft nicht fehlen. Hier sehen wir dringenden Handlungsbedarf, um Spirit und Innovationsfähigkeit in Deutschland auch über entsprechende Bürostrukturen klar zu adressieren und sicherzustellen. Aktuell wollen Banken diese Entwicklung noch nicht an jeder Stelle mittragen.
Zurück zur Projekt- und Entwicklungsberatung: Robert C. Spies richtete zuletzt auch den Fokus auf neue Assetklassen. Wie identifizieren Sie für sich die Disziplinen und Bedarfe von morgen? Wie wird sich vor allem die gewerbliche Immobilienlandschaft in Zukunft verändern?
A. Fuchs: Die Projekt- und Quartiersberatung nimmt heute immer mehr auch Bestandsimmobilien in den Fokus, findet also verstärkt auch auf konkreter Gebäudeebene statt. Hier prüfen wir stets alle Möglichkeiten im Kontext des Reporgramming-Ansatzes, also der Transformation, Revitalisierung oder Umnutzung der Liegenschaft. Bedarfsanalysen müssen dabei sowohl mit Weitsicht als auch kreativ erfolgen und bestenfalls einen Mehrwert für das Quartier sowie für die Gesellschaft per se zum Ergebnis haben. Datacenter oder Life-Science-Immobilien können in dieser Hinsicht eine Lösung sein, denn sie liefern Antworten auf aktuelle und zukünftige infrastrukturelle Bedürfnisse, an denen wir in unserer Beratungsleistung schon heute mit spezialisierten Teams arbeiten.
J. Lütjen: Wenn es heute darum geht, Projekte wirtschaftlich aufzustellen, dann geht es immer auch darum, intelligente und emotionale Nutzungsbausteine zu integrieren. Gelingt dies, wird sich die gewerbliche Immobilienlandschaft in Zukunft noch diversifizierter präsentieren mit spezifischen Nutzungskonzepten in unterschiedlichen Gebäudetypen. Und dadurch nicht nur einen Beitrag zur heimischen Wirtschaftskraft leisten, sondern ebenso zur Bewältigung der Herausforderungen unserer Zeit.
Herr Lütjen, Herr Fuchs, vielen Dank für das Gespräch. Eine letzte Frage: Was halten denn wohl die nächsten zehn Jahre für Robert C. Spies bereit?
A. Fuchs: Für mich als Geschäftsführer unserer Nordics ApS mit Sitz in Kopenhagen steht die weitere Etablierung unserer Beratungsaktivitäten entlang der sogenannten Vogelfluglinie zwischen der dänischen Hauptstadt und Hamburg klar im Vordergrund. Hier konnten wir bereits in Kooperation mit unserer Robert C. Spies Industrial Real Estate GmbH & Co. KG spannende Projekte begleiten, richten unseren Blick nun jedoch auch vermehrt auf touristische Entwicklungen, die in dem Gebiet dank der typografischen Gegebenheiten traditionell gute Voraussetzungen haben.
J. Lütjen: Wir wollen eines der führenden norddeutschen Beratungs- und Transaktionshäuser bleiben – für private Unternehmerfamilie sowie national und international agierende Investoren. Mit gewohnt hoher Beratungsqualität widmen wir uns auch weiterhin jedem Thema und Mandat unbefangen im Zuge unseres fokussierten und nachhaltigen Kundenansatzes, der seit über 100 Jahren Bestand hat. Innovationsfähigkeit und das interdisziplinäre Arbeiten innerhalb unserer Spezialistenteams werden die Zukunft von Robert C. Spies hoffentlich noch lange prägen – stets im Sinne unserer Mandanten und zugunsten maßgeschneiderter Ergebnisse.
Der vollständige Artikel ist in der aktuellen POSITION #11 veröffentlicht und kann hier in der gesamten Ausgabe eingesehen werden.