Ein Interview mit Prof. Dr. Burkhard Schwenker // Foto: Roland Berger
Prof. Dr. Burkhard Schwenker war viele Jahre Chef der Unternehmensberatung Roland Berger. Im Interview berichtet er über unternehmerischen Mut, die Bedeutung von Verantwortung in unsicheren Zeiten und die Rolle von Familienunternehmen für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland.
Herr Prof. Dr. Schwenker, Sie haben jahrelange Erfahrung in der strategischen Beratung – wie können Familienunternehmen heute eine Kultur der Verantwortung aufbauen, die langfristig Generationen überdauert? Welche entscheidenden Faktoren sehen Sie, um diese Werte auch in unsicheren Zeiten zu bewahren?
B. Schwencker: Die entscheidenden Stichworte dafür haben Sie schon genannt: Kultur und Verantwortung! Beides ist eine Führungsaufgabe, und gute Führung läßt sich für mich in drei Begriffen zusammenfassen: „A cool head, a warm heart and working hands“. Denn der kühle Kopf steht für mutige, aber überlegte Entscheidungen; das warme Herz für Menschlichkeit – wer führen will, muss Menschen mögen –; und die „workings hands“ stehen dafür, anpacken zu wollen und ein Vorbild zu sein.
Mit anderen Worten: Unter Ungewissheit – denn wir wissen nicht mehr, was alles passieren kann – ist Managementwissen nicht mehr so entscheidend, denn es veraltet viel zu schnell und die Methoden von gestern liefern keine guten Antworten mehr. Was zählt ist Führung: Orientierung geben, in Szenarien denken, Mut machen. Dafür braucht man die richtigen Führungspersönlichkeiten – und Familie allein rechtfertigt keine Führungsverantwortung. Entscheidend ist also, eine Governace zu definieren, die verlässlich und perspektivisch regelt, wer wie und unter welchen Voraussetzungen das Familienunternehmen führt. Dazu gehört auch ein starker Aufsichts- oder Beirat, der die Brücke zur Familie schlägt und die Governance umsetzt – und umsetzen kann!
Sie haben Unternehmen über Jahrzehnte hinweg durch verschiedene wirtschaftliche Zyklen begleitet. Welche Art von unternehmerischem Mut und Innovationsbereitschaft ist aus Ihrer Sicht heute essenziell, damit Familienunternehmen zukunftsfähig bleiben und zugleich gesellschaftlichen Herausforderungen gerecht werden?
B. Schwencker: Es geht um den Mut, Entscheidungen zu treffen, auch wenn nicht mehr alles im Voraus berechnet werden kann. Dazu gehört eine feste unternehmerische Überzeugung – aber auch die Fähigkeit, breit zu denken und die eigenen Stärken und Schwächen objektiv zu beurteilen. Vor allem geht es aber um den Mut, jetzt wieder auf Wachstum zu setzen – denn nur wachsende Unternehmen sind erfolgreich und verdienen den Cashflow, der notwendig ist, um in weiteres Wachstum zu investieren.
Und das betrifft auch die Innovationsbereitschaft. Aus meiner Sicht ist „Innovation“ in vielen Unternehmen zu sehr nach innen gerichtet – neue Prozesse, Digitalisierung, neue Formen der Zusammenarbeit. Das ist alles richtig und wichtig – aber jetzt geht es um echtes Wachstum, um Umsatz und neue Potenziale, kurz: um Marktinnovationen. Und um Vertrieb, also darum aktiv zu verkaufen.
Familienunternehmen haben hier übrigens einen echten Vorteil: Anders als kapitalmarktnotierte Konzerne müssen sie nicht jedes Quartal berichten und sich mit Analysen auseinandersetzen, die nur zahlenorientiert sind. Sondern sie können sich auf ihre Stärken konzentrieren: nah am Markt zu sein, nah an den Kunden, mit voller Kraft auf neue Ideen setzen.

Im Interview: Prof. Dr. Burkhard Schwenker // Bildquelle: Roland Berger
Wie sehen Sie die Rolle von Familienunternehmen für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland? Welche Chancen und Herausforderungen bestehen aus Ihrer Sicht, um Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit durch unternehmerisches Denken und verantwortungsvolles Handeln zu sichern?
B. Schwencker: Der Mittelstand war schon immer eine Stärke Deutschlands – kleiner, agiler und langfristig orientierter. Mit der Fähigkeit, Marktnischen zu erkennen und mit viel Geschick zu nutzen. Darin liegt immer noch eine Chance – aber die Herausforderungen müssen auch stimmen. Dazu gehört vor allem eine massive Entbürokratisierung auf allen Ebenen. Das betrifft auch die Finanzierung, denn Banken sind regulatorisch so eingebunden, dass unternehmerische Kreditentscheidungen kaum noch möglich sind. Aber auch Steuererleichterungen gehören dazu. Das ist alles bekannt und wird jetzt hoffentlich schnell umgesetzt.
Genauso wichtig ist für mich aber auch ein gesellschaftspolitischer Aspekt: Unternehmen sind wichtig, denn nur sie können für Wachstum und Wohlstand sowie Beschäftigung sorgen! Wir brauchen also ein besseres Bild der Unternehmen und der Unternehmerinnen und Unternehmer in der Öffentlichkeit! Statt sie politisch und medial immer in die Ecke zu stellen, sollten wir sie auch politisch feiern – als Treiber von Wachstum und Wohlstand!
Der vollständige Artikel ist in der aktuellen Ausgabe #11 der POSITION veröffentlicht und kann hier eingesehen werden.